Dezember 2020

Hodenkrebs:

Müssen die Hoden bei einer Behandlung eines Hodenkarzinoms entfernt werden, haben die Patienten Anspruch auf Hodenimplantate. Dies hat das Sozialgericht (SG) München (Az.: S 54 KR 1172/19) in einem bereits rechtskräftigen Urteil entschieden. Danach besteht ein Leistungsanspruch zur Wiederherstellung der körperlichen Integrität des Versicherten.

Geklagt hatte ein heute 37-jährigen Mann, dem 2018 wegen eines beidseitigen Hodentumors beide Hoden entfernt werden mussten. Bei seiner Krankenkasse beantragte er, aufgrund erheblicher psychischer Beeinträchtigungen bei sozialen Kontakten, der Sexualität und beim Sport im Schwimmbad, die Kostenübernahme für Hodenprothesen. Die Kasse hatte diese auch im Widerspruchsverfahren abgelehnt.

Das Sozialgericht München gab der Klage statt, begründet den Leistungsanspruch aber nicht durch die entstanden psychische Belastung. „Der Anspruch besteht vielmehr deshalb, weil die geschuldete Krankenbehandlung darauf gerichtet ist, Erkrankte unter Wahrung ihrer körperlichen Integrität zu heilen.“ Die Krankenbehandlung beinhalte, „dass die körperliche Integrität des Versicherten bei einem medizinisch notwendigen Eingriff möglichst wiederhergestellt wird, sei es mit körpereigenem oder mit körperfremdem Material“. Damit nimmt das Gericht eine klare Abgrenzung zu kosmetischen Operationen vor und überträgt die im Hinblick auf Frauen mit Brustkrebs entwickelte Rechtsprechung. Sie bekommen die Rekonstruktion des behandlungsbedürftigen Organs bezahlt.

Hodenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Gesicherte Risikofaktoren sind ein Hodenhochstand in der Kindheit - auch wenn dieser behandelt wurde, eine Hodentumorerkrankung des Bruders oder Vaters, eine Vorerkrankung mit einseitigem Hodenkrebs und eine Fruchtbarkeitsstörung.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) empfiehlt eine regelmäßige Selbstuntersuchung (Abtasten beider Hoden) und rät Männern mit vorhandenen Risikofaktoren, zusätzlich eine fachärztliche Abklärung durch eine Urologin oder einen Urologen wahrzunehmen. 


Weitere Informationen:
www.hodencheck.de
DGU-Online-Patientenratgeber

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