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„Es gilt immer noch: Je früher Krebs entdeckt wird, desto besser ist er behandelbar“

Prof. Dr. Jens Rassweiler, ehemaliger Direktor der SLK-Kliniken Heilbronn, steht uns im Interview Rede und Antwort zur Vorsorge, Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs.

Lieber Prof. Dr. Rassweiler, wie oft im Monat stellen Sie in Ihrer Praxis die Diagnose „Prostatakrebs“?

Das kann man so pauschal nicht sagen. In der Regel gehen die Patienten erst zum Hausarzt. Wenn es dort einen verdächtigen Befund gibt, werden sie an mich oder andere urologische Praxen überwiesen. Bei uns bekommen sie dann, sofern noch nicht geschehen, die erste Vorsorgeuntersuchung mit PSA-Bestimmung. Gerne mit 45, oft aber auch später, weil die Männer sich leider immer noch zu viel Zeit lassen, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

 

Kommen die betroffenen Patienten im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen zu Ihnen oder bereits mit Symptomen?

Beides. Leider ist es ja noch immer so, dass viele Männer mit dem Arztbesuch warten, bis sie Schmerzen haben. Gerade bei der Prostata ist es so wichtig, die Vorsorgetermine rechtzeitig wahrzunehmen, um eine mögliche Krebserkrankung früh zu erkennen. Bei Schmerzen ist es oft zu spät und der Krebs – speziell der Prostatakrebs – ist schon aus der Kapsel ausgetreten und in umliegendes Gewebe gestreut. Es gilt immer noch: Je früher Krebs entdeckt wird, desto besser ist er behandelbar.

 

Welche Möglichkeiten zur Früherkennung gibt es?

Der PSA-Wert, für den ich mich gerade in meiner Amtszeit als DGU-Präsident stark gemacht habe, wird leider noch immer nicht anerkannt, das heißt er muss von den Patienten privat bezahlt werden. Dennoch sind diese 60 Euro gut investiertes Geld. Über den PSA-Wert erfährt man(n), ob erhöhte Entzündungswerte vorliegen. Bei einem hohen PSA-Wert sollte man auf jeden Fall beobachten oder weitere Maßnahmen wie z. B. eine Biopsie der Prostata vornehmen.

 

In welchen Fällen sollte Prostatakrebs operiert werden?

Das ist sehr individuell. Manche Männer leben sehr lange mit Prostatakrebs, das heißt er wird beobachtet und ggf. medikamentös oder mit Strahlentherapie behandelt. In anderen Fällen rät man zur Prostatektomie, das heißt sie wird entfernt, um ein mögliches Austreten aus der Kapsel und das Ausbreiten des Krebs zu vermeiden. Wir versuchen immer nervenerhaltend zu operieren, aber die OP kann je nach Stadium auch zu Inkontinenz oder Impotenz führen. Im besten Fall rettet man dem Patienten das Leben und er kann ohne große Einschränkungen und bei voller Kontinenz und Potenz weiterleben. In 99 % der Fälle kann man die Kontinenz wieder herstellen, bei der Potenz ist das nur in 70 – 80 % der Fall.

 

Welche Operationsarten gibt es?

Die roboter-assistierte OP wird mittlerweile häufig in den Prostata-Zentren eingesetzt und ist auch die Zukunft. Mein Kollege Prof. Stolzenburg ist großer Verfechter der laparoskopischen Operation, die ja ebenfalls minimal-invasiv vorgenommen wird. Aber ich behaupte, die meisten OPs werden heute roboter-assistiert durchgeführt. Offene Operationen sind nicht mehr zeitgemäß und werden in der Form auch nicht mehr gemacht, so hoffe ich. Der Nachteil dieser Methode ist eine längere Rekonvaleszenz beim Patienten, das bedeutet er braucht länger, um sich von einer solchen OP zu erholen und das Infektionsrisiko ist höher.

 

Sie selbst führen auch roboter-assistierte Operationen durch. Wie erklären Sie Ihren Patienten die Operation und unter welchen Voraussetzungen bietet diese OP-Art Vorteile für den Patienten?

Die präziseste Variante ist die roboter-assistierte Operation, denn hier wird minimal-invasiv operiert, das heißt der Patient hat nur kleine Narben durch die endoskopischen Geräte, die für die Operation eingeführt wurden.

Die Vorteile dieser Variante: Die OP ist mittlerweile standardisiert, denn es wird an vielen Krankenhäusern bzw. Schwerpunktzentren angewandt. Ich habe allein in Heilbronn über 4.000 Operationen dieser Art durchgeführt. Das OP-System hat drehbare Instrumente, garantiert eine bessere Sichtbarkeit und Präzision.

 

Was sind die häufigsten Fragen, die Ihre Patienten bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine roboter-assistierte OP stellen?

Viele Patienten setzen sich bereits vor der OP mit dieser Methode auseinander und wissen in der Regel, was auf sie zukommt, das heißt, dass immer noch ein Arzt die Geräte steuert. Ganz autark wird es auch nicht funktionieren, da der Operateur immer noch spontan eingreifen muss, wenn Unvorhergesehenes passiert, Blutungen auftreten oder Tumorgewebe gefunden wird, dass ggf. nicht erwartet wurde. Die Erfahrung der Ärzteschaft lässt sich nicht durch Roboter ersetzen. Aber die Methode ist sehr präzise, was natürlich dazu führt, dass die Patienten schneller wieder fit sind. Und das ist ja in unser aller Interesse.

Die Patienten wollen meist nur wissen, ob ich kontinenz- und potenzerhaltend operieren kann. Wie schon erwähnt, kann die Kontinenz in der Regel wieder hergestellt werden. Wenn bereits Nerven durch den Prostata-Tumor geschädigt wurden, kann ich nicht unbedingt nervenerhaltend operieren.

Es hängt immer auch vom Alter des Patienten ab, wie diese Nachricht aufgenommen wird und welchen Stellenwert die Potenz hat. Ein Mann Mitte Vierzig hatte sicher ein regeres Sexleben als jemand, der Ende 70 ist, lange verheiratet ist und die Familienplanung lange abgeschlossen hat. Das muss natürlich nicht immer so sein, aber das zeigt mir die Erfahrung mit Patienten.

Grundsätzlich ist es wichtig, sich als Patient zu öffnen, sich Meinungen einzuholen, mit Familie und Freunden oder auch Gleichgesinnten zu sprechen, um sich ein umfassendes Bild zu machen und Therapiemöglichkeiten zu besprechen.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit!

 

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