vor 3 Monaten

Überaktive Blase - Overactive Bladder - wie sieht die Untersuchung aus?

Patienten mit einer Reizblase (überaktive Blase oder auch overactive Bladder (OAB)) haben einen häufigen, sehr starken Harndrang und müssen sehr oft auf die Toilette. Die ausgeschiedene Urinmenge ist dabei jedoch häufig gering. Es kann auch vorkommen, dass der Drang zum Wasserlassen so stark ist, dass spontan und ungewollt Urin ausläuft. Diese Form der Inkontinenz nennt man Drang-Inkontinenz.

Meist sind Frauen von einer Reizblase betroffen. Insgesamt leiden 17 % der Bevölkerung daran. Eine Reizblase hat immensen Einfluss auf das Privatleben, weil Aktivitäten mit Familie und Freunden häufig aus Scham gemieden werden oder aber die Aktivitäten nach der Möglichkeit, eine Toilette zu besuchen, geplant werden.

Welche Ursachen kann eine überaktive Blase haben?

Eine Blasenfunktionsstörung löst eine überaktive Blase aus. Der Blasenmuskel zieht sich bei Reizen schon früh zusammen.

Als Ursache wurden in Studien Veränderungen in den Nerven und den Rezeptoren der Botenstoffe festgestellt, die die Blase versorgen. Nachdem zum Beispiel eine Erkrankung mit lange anhaltenden Schmerzen wie bei einer Blasenentzündung abgeklungen ist, kann die Blase durch solche Veränderungen überempfindlich bleiben.

Folgende Erkrankungen können für eine überaktive Blase sorgen:

  • Infektionen der Blase und/oder der Harnröhre
  • Neurologische Erkrankungen (zum Beispiel Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Schlaganfall)
  • Fremdkörper in der Blase
  • Verengung des Blasenausgangs. Über die Verengung kann es auch zur Bildung von Blasensteinen kommen.
  • Tumore der Blase oder im kleinen Becken. Eine Bestrahlung aufgrund eines Karzinoms kann ebenfalls Veränderungen der Blasenschleimhaut verursachen.
  • Östrogenmangel: Bei Frauen sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren. Dadurch verändern sich nicht nur die Zellen der Scheide, sondern auch die der Harnröhrenschleimhaut. Dies kann zu verstärktem Harndrang und/oder zu Blasenentzündungen führen.
  • Medikamentennebenwirkung (zum Beispiel harntreibende Mittel wie Diuretika), Mittel gegen Bluthochdruck und Mittel gegen psychische Erkrankungen
  • Psychosomatische Erkrankungen (ohne körperliche Ursache), seelische Probleme 
     

Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Die Untersuchungen konzentrieren sich zunächst auf den Ausschluss von bekannten Ursachen von Harndrang und Harninkontinenz. Nach Beseitigung der Ursache verschwinden zumeist auch die Beschwerden. Ausführlicher gestalten sich die Untersuchungen, wenn die Ursache nicht sofort gefunden wird.

Gespräch (Anamnese)

Wichtige Hinweise liefert das Gespräch mit dem Patienten, die sogenannte Anamnese. Der Arzt wird unter anderem nach Art und Dauer der Beschwerden, anderen Erkrankungen, Operationen und der Einnahme von Medikamenten fragen.

Ein über einige Wochen geführtes Tagebuch über die Häufigkeit des Wasserlassens, die abgegebene Urinmenge und die Trinkmenge kann Aufschluss über die Beschwerden geben. Wird zu wenig getrunken? Was genau wird getrunken? Diese Art von Tagebuch kann Aufschluss über Fehler im Trinkverhalten geben und die Therapie unterstützen.

Körperliche Untersuchung und Urinuntersuchung

Die körperliche Untersuchung schließt die Betrachtung der äußeren Geschlechtsorgane und des Afters ein.

Durch die Urinuntersuchung können zum Beispiel Infektionen entdeckt werden. Abstriche von der Harnröhre geben Aufschluss über den Hormonstatus bei Frauen oder Entzündungen der Harnröhre. Bei Männern kann der Arzt das Prostatasekret auf Erreger hin untersuchen.

Blasensteine oder Tumore im kleinen Becken und im Bauchraum werden per Ultraschall identifiziert. Nach dem Wasserlassen ist es möglich, per Ultraschall zu messen, ob noch Urin in der Blase verbleibt. Neurologische Untersuchungen wären eine letzte Maßnahme, um eine Diagnose stellen zu können.

Diese Untersuchungen reichen bei vielen Patienten aus, um die Diagnose stellen und eine Therapie einleiten zu können.

Welche Untersuchungsmethoden gibt es noch?

Urinzytologie

Die sogenannte Urinzytologie weist eventuell veränderte Blasenzellen im Urin nach und gibt damit Hinweise auf Tumore im Bereich der Harnwege.

Urinuntersuchung

Uroflowmetrie

Der Urinfluss kann mit der sogenannten Uroflowmetrie ermittelt werden.

Harnröhrenkalibrierung und Blasenspiegelung

Die Weite der Harnröhre wird vom Urologen bei Frauen durch eine Harnröhrenkalibrierung gemessen. Hierbei bringt er einen Stab zunehmender Dicke mit Messskala vorsichtig in die Harnröhre ein. Die Beurteilung der Harnröhre wird bei Männern im Zuge der Blasenspiegelung (Zystoskopie) vorgenommen.

Eine Blasenspiegelung ist notwendig, um Blasentumore auszuschließen. Sie sind oft so klein, dass man sie im Ultraschall nicht sieht. Auch andere Veränderungen der Blasenschleimhaut sowie Blasensteine und Fremdkörper sind bei einer Blasenspiegelung erkennbar.

Bei Frauen ist der Vorgang aufgrund der kurzen Harnröhre unangenehm, aber schmerzlos. Bei Männern ist eine örtliche Betäubung sinnvoll.

Blasendruckmessung (Zystomanometrie)

Die Blasendruckmessung zeigt das Fassungsvermögen der Blase, das Zusammenspiel von Entleeren der Blase und Öffnen des Schließmuskels sowie spontane Blasenmuskelbewegungen. 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Physiotherapie

Durch gezieltes Beckenbodentraining lässt sich unwillkürlicher Harnverlust verhindern. Zusätzlich kann eine Elektrostimulation bestimmter Nerven erfolgen. Die von dem Gerät abgegebenen Stromimpulse sorgen für eine Stärkung der Muskeln des Beckenbodens.

Medikamente

Medikamente kommen in der Therapie der überaktiven Blase am häufigsten zum Einsatz. Dadurch nehmen die Häufigkeit des Wasserlassens ab und das Füllungsvolumen der Blase zu. Bestehen außer der überaktiven Blase zusätzliche Erkrankungen, sollte immer der entsprechende Facharzt vor Einnahme des Medikamentes gefragt werden.

Östrogen

Bei Frauen in der Menopause kann schon ein örtlich angewendeter Ausgleich des sinkenden Östrogenspiegels (Scheidenzäpfchen und Salben) die Beschwerden lindern.

Operationen

Die operativen Therapien kommen, bis auf jene Maßnahmen zur Bekämpfung von ursächlichen Erkrankungen (zum Beispiel Blasensteinentfernung), nur infrage, wenn alle anderen Maßnahmen nicht geholfen haben und der Leidensdruck groß ist.

Blasenschrittmacher

Bei der sogenannten sakralen Neuromodulation führt der Arzt Elektroden in das Becken ein, um die Nerven, welche die Blase versorgen, durch elektrische Impulse zu beeinflussen. Dies geschieht zunächst probeweise. Stellt sich der gewünschte Erfolg ein, bekommt der Patient ein Dauerimplantat.

Weitere operative Therapien

Denkbar ist die Vergrößerung der Blase durch das Aufsetzen eines ausgeschalteten Darmanteiles (Blasenaugmentation). Die Operation ist allerdings sehr aufwendig und kann zu dauerhaften Schäden der Blase und Problemen beim Wasserlassen führen.

Außerdem ist es möglich, die gesamte Harnblase durch Teile des Darms zu ersetzen oder einen Dauerkatheter zu legen, durch den der Harn abfließen kann.

Wie können andere Ursachen des Harndrangs behandelt werden?

Wenn der Harndrang nicht durch eine überaktive Blase, sondern durch andere Ursachen ausgelöst wird, kommen unter anderem folgende Maßnahmen infrage:

Oft verstärken sich die Beschwerden, wenn man auf einem kalten Untergrund gesessen hat, was man aus diesem Grund möglichst vermeiden sollte. Nach dem Schwimmen empfiehlt es sich, direkt trockene Kleidung anzuziehen, um Infektionen zu vermeiden. Falls Alkohol oder scharf gewürzte Speisen die Beschwerden verschlimmern, sollte man diese ebenfalls meiden. Da eine Blaseninfektion manchmal nach dem Geschlechtsverkehr auftritt, sollte man danach auf die Toilette gehen, damit mögliche Krankheitserreger aus der Harnröhre abfließen können.

Um die Nachtruhe möglichst wenig zu stören, sollte auf harntreibende Getränke wie zum Beispiel schwarzen/grünen Tee, Alkohol oder Kaffee vor dem Zubettgehen verzichtet werden.

Früherkennungs- bzw. Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten.

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