Für alle. Für jeden. Für uns.
Die Urologie.

Heute Medizinstudie:render, morgen Ärzt:in in Weiterbildung

Artikel aus Urologie INSIDE 01/2024

Wie muss sich die Urologie aufstellen, um attraktiv für den Nachwuchs zu sein?

Eine Diskussion der Ergebnisse des Berufsmonitoring Medizinstudierende 2022 von Dr. Henrike Beverungen und Dr. Carolin Siech.

Mit dem Berufsmonitoring 2022 veröffentlichte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Kooperation mit der Universität Trier, dem medizinischen Fakultätentag (MFT), und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden e.V. (bvmd) bereits zum vierten Mal seit 2010 die Ergebnisse einer deutschlandweiten Befragung von Medizinstudierenden hinsichtlich ihrer zukünftigen Berufsvorstellungen und -wünsche.

Die Ergebnisse dieser Befragung unter 8.600 Medizinstudierenden werden im Folgenden analysiert, um mögliche Schlussfolgerungen zur langfristigen Gestaltung der medizinischen Ausund Weiterbildung in der Urologie zu ziehen.

Insgesamt ziehen 7,1 % der Medizinstudierenden das Fachgebiet der Urologie in Erwägung und 1,4 % würden sich jetzt für eine urologische Weiterbildung entscheiden. Somit stellt sich die Frage, inwieweit diese Weiterbildungsabsichten der Medizinstudierenden die bestehende Versorgungsstruktur in der Urologie reproduzieren und erhalten können. In Modellberechnungen unter Berücksichtigung der Ärztestatistik der Bundesärztekammer und Annahme konstanter Präferenzen und einem unveränderten Wiederbesetzungsbedarf ergibt sich für die Urologie ein Wert von lediglich 59,1 %. Dies ist erschreckend und bedeutet, dass künftig etwa vier von zehn der 2009 besetzten Stellen in der Urologie rein rechnerisch nicht wiederbesetzt werden und unbesetzt bleiben.

Die Situation wird noch dramatischer, wenn Teilzeitquoten berücksichtigt werden. Bei einer Teilzeitquote von 50 % (50 %-Stellen) sinkt der Wert der Modellrechnung auf 41,4 %. Darüber hinaus ist in den Berechnungen der KBV nicht berücksichtigt, dass auf Grund des demographischen Wandels eine Zunahme des urologischen Versorgungsbedarfs in Deutschland erwartet wird.

Um ausreichend Urologinnen und Urologen für die Urologie der Zukunft zu rekrutieren, bedarf es in Konsequenz eines genaueren Blicks bezüglich der Erwartungen der Medizinstudierenden an ihre spätere Berufstätigkeit. Unabhängig von den Präferenzen für das spätere Fachgebiet, schätzen Medizinstudierende von heute (multiple Choice) mit 92,5 % die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als „sehr wichtig“ bis „wichtig“ ein. Damit einher gehen geregelte Arbeitszeiten (83,1 %) und die Möglichkeit, Arbeitszeiten flexibel zu gestalten (81,2 %). Beruflicher Erfolg (69,7 %) und Abwechslung im Beruf (62,3 %) werden von weniger Studierenden als „sehr wichtig“ bis „wichtig“ empfunden.

Letztere Faktoren sind jedoch nicht zu vernachlässigen, da sie von Medizinstudierenden mit Präferenz für die Urologie überdurchschnittlich häufig angegeben werden (75,7 % und 71,1 %). Weitere Rahmenbedingungen in der Weiterbildung stellen Mentoren als feste Ansprechpartner während der gesamten Weiterbildung, die Kinderbetreuung, flache Hierarchien und begleitende Angebote zur Weiterbildung dar. Die fünf häufigsten genannten Gründe, die gegen eine Anstellung im Krankenhaus sprechen (multiple Choice), sind hohe Arbeitsbelastung (84,4 %), starker ökonomischer Druck bei der Behandlung von Patienten (70,7 %), wenig Freizeit (69,4 %), schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf (65,0 %) und starre Hierarchien (63,0 %).

Weiterhin ist die Weiterbildung im ambulanten Sektor für rund 60 % mehr als wichtig, ebenso für über 50 % die Möglichkeit zur Verbundweiterbildung. In Hinblick auf die Ambulantisierung der Medizin gewinnt die ambulante Weiterbildung zunehmend an Bedeutung.

In der Umfrage fällt auf, dass sich 5,0 % der Studierenden eine Tätigkeit in einer Einzelpraxis vorstellen können, hingegen über 50 % in einer Gemeinschaftspraxis oder einer anderen Versorgungsstruktur. Medizinfremde Tätigkeiten stellen mit 65,5 % den häufigsten Faktor dar, der gegen eine Niederlassung spricht.

Studierende wünschen sich eine bessere Aufklärung über die Anforderungen und Arbeitsbedingungen in der ambulanten Versorgung. Nur 33,3 % wissen subjektiv gut Bescheid. Verschiedene Unterstützungsangebote werden bei Planung einer Niederlassung gewünscht (multiple choice): 97,4 % Rechtsberatung, 97,4 % Beratung bei Verwaltung und Abrechnung, Unterstützung bei bürokratischen Anforderungen vor der Eröffnung oder Übernahme der Praxis 97,1 % und Finanzierungskonzepte 96,1 %.

Einordnung der Befragungsergebnisse in die urologische Weiterbildung

Die Medizinstudierenden von heute sind die Ärzt:innen in Weiterbildung von morgen. Insofern sind die Ergebnisse des Berufsmonitoring Medizinstudierende 2022 ernst zu nehmen. In Hinblick auf den Generationenwandel in der Urologie muss somit jetzt gehandelt werden. Die Fachbereiche, die die Sorgen, Ängste und Nöte des Nachwuchs zuerst ernst nehmen, werden mittel- bis langfristig im Vorteil sein. Das heißt, es braucht jetzt flexible Arbeitszeitmodelle. Die Führungskultur sollte überdacht werden. Teamarbeit sollte, auch bedingt durch neue Teilzeitmodelle, weiter gefördert werden und die Karriere nicht aufgrund von Reduktion der Arbeitszeit ausgebremst werden. Die ärztliche Weiterbildung muss transparent sein und auf einem qualitativ hohen Niveau angeboten werden.

Hier ist insbesondere auch in Hinblick auf die zunehmende Ambulantisierung und dem Interesse der Studierenden an der Tätigkeit in der Niederlassung an die Verbundweiterbildung zu denken. Das Weiterbildungscurriculum Urologie (WECU) der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), dem Berufsverband der Deutschen Urologen (BvDU) und der German Society of Residents in Urology e.V. (GeSRU) ist hier bereits ein Vorzeigeprojekt. Darüber hinaus sollten die Unterstützungsangebote bei Planung der Niederlassung ausgeweitet werden. Das gemeinsame Niederlassungsseminar von BvDU und GeSRU ist bereits ein erster Anfang.

 Fazit

Regelmäßige Befragungen der Urolog:innen von morgen ermöglichen, frühzeitig Faktoren zu identifizieren, die in der zukünftigen urologischen Versorgung Herausforderungen darstellen können. In Anbetracht des sich abzeichnenden Mangels an Urolog:innen ist es wichtiger denn je, dass wir uns als Urologinnen und Urologen aktiv in die medizinische Ausbildung einbringen und Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen für den urologischen Nachwuchs attraktiv gestalten, um weiterhin ausreichend hochqualifiziertes Personal zur Verfügung zu haben. Dies gelingt nur, indem wir gemeinsam die Bedenken der jungen Generation ernst nehmen und die urologische Aus- und Weiterbildung fortlaufend weiterentwickeln.

Verwandte Artikel

Newsletter-Anmeldung

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Patienten-Newsletter. Dieser wird jeweils zum Monatsende versandt und beinhaltet alle Top-News der vorherigen vier Wochen.

Bitte füllen Sie die nachfolgenden Felder vollständig aus (Pflichtfelder beachten). Nachdem Sie das Formular abgeschickt haben, erhalten Sie eine E-Mail zur Bestätigung Ihrer Anmeldung (bitte kontrollieren Sie im Zweifel auch Ihren Spam-Ordner).

Bestellformular

Bitte füllen Sie die nachfolgenden Felder vollständig aus (Pflichtfelder beachten). Nachdem Sie das Formular abgeschickt haben, erhalten Sie eine E-Mail als Eingangsbestätigung Ihrer Bestellung (bitte kontrollieren Sie im Zweifel auch Ihren Spam-Ordner).

Anschließend prüfen wir Ihre Bestellung und versenden diese innerhalb weniger Tage.

Kontakt

Bitte füllen Sie die nachfolgenden Felder vollständig aus (Pflichtfelder beachten). Nachdem Sie das Formular abgeschickt haben, erhalten Sie eine E-Mail zur Bestätigung Ihrer Kontaktaufnahme (bitte kontrollieren Sie im Zweifel auch Ihren Spam-Ordner).