vor 4 Wochen

Penisverkrümmung

Ein krummer Penis ist an sich nichts Ungewöhnliches. Bei den allermeisten Männern ist der erigierte Penis nicht komplett gerade, sondern hat eine leichte Krümmung nach oben, unten oder zur Seite. Es gibt aber auch Verkrümmungen und Deformationen, die über dieses normale Maß hinausgehen und zu Schmerzen und Problemen beim Geschlechtsverkehr führen können.
Eine solche Peniskrümmung kann entweder von Geburt an bestehen oder sich erst später ausbilden. Je nach dem spricht man von der „angeborenen Penisverkrümmung“ oder der „erworbenen Penisverkrümmung“.

Während die angeborene Penisverkrümmung relativ selten auftritt und im Grunde eine genitale Fehlbildung ist, ist die erworbene Penisverkrümmung, medizinisch Induratio Penis Plastica (IPP) oder auch Peyronie-Krankheit genannt, relativ häufig.

Wie kommt es zu einer erworbenen Penisverkrümmung?

Eine erworbene Penisverkrümmung betrifft meist Männer ab 40, kommt aber durchaus auch bei jüngeren Männern vor. Wann und warum sich eine IPP ausbildet ist medizinisch dabei immer noch nicht eindeutig geklärt.
Momentan geht man davon aus, dass bei genetisch vorbelasteten Personen kleinste Mikroverletzungen am Penis zur übermäßigen Bildung von Narbengewebe, man spricht hier dann von „Plaque“, führen. Jedenfalls sorgen diese Vernarbungen am Schaft dafür, dass sich die Schwellkörper bei einer Erektion nicht mehr gleichmäßig anschwellen können.
Die Folge: Der Penis krümmt sich dann deutlich, „knickt“ oft regelrecht ab oder es entstehen Einkerbungen am Schaft. Oft wird im Verlauf der Erkrankung der Penis auch kürzer, im fortgeschrittenen Stadium droht dazu eine erektile Dysfunktion.

Man unterscheidet bei der erworbenen Penisverkrümmung zwei Stadien. In der ersten „akuten“ Phase entsteht die Plaque, das Glied beginnt sich zu verformen und zu krümmen. Viele Patienten haben in diesem Stadium auch starke Schmerzen. In der darauf folgenden „chronischen“ Phase klingen die Schmerzen dann ab und die Krümmung verschlimmert sich nicht weiter.

Behandlung einer Penisverkrümmung

Ob eine Behandlung überhaupt nötig ist, kommt immer auf den individuellen Fall an. In manchen Fällen geht eine stark ausgeprägte Penisverkrümmung für den betroffenen Mann mit keinerlei Einschränkungen einher, in anderen Fällen kann bereits ein geringer Verkrümmungsgrad zu weitreichenden Problemen im Sexualleben oder zu einem verminderten Selbstwertgefühl führen. 

Die Therapiemöglichkeiten hängen dabei von der Art der Verkrümmung ab. Eine angeborene Penisverkrümmung kann nur einen operativen Eingriff begradigt werden, für die Behandlung einer erworbenen Verkrümmung aber können je nach Krankheitsstadium unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Anwendung kommen.
Konservative Therapien versuchen in der akuten Phase die Schmerzen zu lindern und eine schlimmere Verkrümmung zu verhindern. In der chronischen Phase kann eine schwere Verkrümmung dann schließlich auch operativ begradigt werden.

Hier gibt es verschiedene Operationsansätze. Bei der klassischen Methode (NESBIT) wird die lange, nicht vom Plaque betroffene Seite des Penis gerafft, damit sie genauso kurz ist, wie die betroffene Seite. Damit wird der Penis aber unweigerlich kürzer. Um dies zu verhindern, gibt es auch alternative Ansätze (Graft), bei denen versucht wird, die Plaque aufzuspalten und künstliches Füllmaterial einzufügen, das dann nach und nach durch körpereigene Zellen ersetzt wird.

Wann zum Arzt?

Obwohl man davon ausgeht, dass im Laufe ihres Lebens etwa 10 % aller Männer von einer Induration Penis Plastica betroffen sind, repräsentiert die IPP immer noch eine „seltene“ Erkrankung im urologischen Alltag. Dies ist vor allem auf die Tabuisierung dieser Erkrankung zurück zu führen.

Wie bei jeder anderen Krankheit gilt aber, dass man sich auch bei der Penisverkrümmung frühzeitig an einen Arzt wenden sollte, um das Problem abklären zu lassen. Je früher eine Penisverkrümmung erkannt und behandelt wird, desto besser stehen die Chancen auf Besserung. Betroffene sollten keine falsche Scham verspüren und zu einem spezialisierten Urologen gehen, sobald sie Veränderungen am Penis verstellen.

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier.


Der Autor

Dr. med. Franklin E. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie und einer der wenigen Ärzte mit einer Spezialausbildung in rekonstruktiver Andrologie mit Fokus auf männliche Genitalchirurgie. In seiner Ordination in Wien behandelt Dr Kühhas die kleinen und die großen Probleme des Mannes.

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