vor 4 Wochen

Nächtliches Einnässen:

In der Regel ist das nächtliche Bettnässen kein Grund zur Sorge – aber für die betroffenen Familien stellt die sogenannte Enuresis oft eine erhebliche Belastung dar.
So nässen bei der Einschulung noch ca. zehn Prozent der Jungen nachts gelegentlich ein, Mädchen etwas seltener. Ganz wichtig ist es, zu verstehen, dass kein Kind aus Trotz oder Faulheit in der Nacht einnässt und dass es auf keinen Fall ausgeschimpft oder bestraft werden sollte.

Eine einzige Ursache für das Bettnässen gibt es nicht, sondern mehrere, die allein oder in Kombination zu einer Enuresis führen können. Dazu zählt ein extrem tiefer Schlaf. Die Kinder werden vom Harndrang, den sie tagsüber spüren, nicht geweckt. Häufig liegt es auch an einer „kleinen Blase“, die noch nicht dem alterstypischen Fassungsvermögen entspricht. Zum Teil mangelt es an dem Hormon, das die Urinproduktion nachts drosselt - dem Anti-Diuretischen-Hormon (ADH). Außerdem liegt eine Enuresis oft in der Familie: Wenn ein oder sogar beide Elternteile Bettnässer waren, geben sie die Veranlagung weiter und das Kind ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen.

Bettnässen ist vererbbar

Was können Eltern tun? Manchmal braucht es Geduld: Obwohl die meisten Kinder mit etwa drei Jahren komplett trocken sind, gilt das alleinige Einnässen im Schlaf ohne andere Symptome bei ansonsten gesunden Kindern, die tagsüber bereits vollständig trocken sind, bis zum fünften Geburtstag als normal. Nässt ein älteres Kind ein, ist eine ärztliche Abklärung ratsam, um in einem Gespräch und durch eine körperliche Untersuchung mit Ultraschall seltene Fehlbildungen von Nieren und Harnwegen oder Störungen der Blasenfunktion auszuschließen.

Wenngleich sich eine Enuresis mit einer Rate von 15 Prozent pro Jahr sozusagen von alleine „auswächst“, ist die Belastung der Kinder oft so stark, dass eine Therapie gewünscht wird. Es kann ausreichend sein, tagsüber viel und abends wenig zu trinken sowie konsequent vor dem Schlafengehen auf die Toilette zu gehen. Trockene Nächte auf bunten Malkalendern zu dokumentieren, kann Kinder enorm motivieren. Hilft diese sogenannte Urotherapie nicht, kann ergänzend eine Klingelhose oder -matratze eingesetzt werden, deren Feuchtigkeitsfühler einen Weckalarm auslösen. Damit soll die Weckschwelle des Kindes gesenkt werden, sodass es zunächst durch das Klingeln und später durch den Harndrang selbst geweckt wird.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bieten Medikamente mit dem Wirkstoff Desmopressin. Wie das körpereigene Anti-Diuretische-Hormon (ADH) reduzieren die Tabletten die nächtliche Harnausscheidung. Sie wirken effektiv, aber es besteht kein Lerneffekt wie bei der Alarmtherapie, sodass es nach dem Absetzen der Tablette wieder zum Einnässen kommen kann.

Wenn Kinder, die schon länger als ein halbes Jahr zuverlässig trocken waren, plötzlich wieder einnässen, kann eine psychische Belastung, wie ein Schulwechsel oder die Trennung der Eltern, mit ursächlich sein und eine kinderpsychologische Mitbetreuung erforderlich machen.

Betroffene Eltern finden weitere ausführliche Informationen zum nächtlichen Einnässen in einem Ratgeber, den spezialisierte Kinderurologinnen und -urologen der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. erstellt haben.

Früherkennungs- bzw. Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten.

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