Dezember 2021

Urologen plädieren für mpMRT, um PSA-Wert besser einzuschätzen

Die multiparametrische MRT kann die Diagnostik des Prostatakarzinoms präzisieren. Dennoch werden die Kosten dafür nicht übernommen. Ein Umstand, den die Deutsche Gesellschaft für Urologie gerne ändern möchte.

Das PSA-Screening hat dazu geführt, dass Prostatakarzinome in früheren Stadien entdeckt werden. Die krebsspezifische Mortalität ging von 1994 bis 2017 um über ein Drittel zurück. Doch nicht alle der entdeckten Tumoren müssten behandelt werden.

In der Urologie wird daher weiter versucht, die Diagnostik zu verbessern und so Übertherapien zu vermeiden. „Der PSA-Wert wird nicht verschwinden“, konstatierte Professor Dr. Maurice Stephan Michel, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). Man werde ihn aber vermutlich anders einsetzen.

So sei mittlerweile der Baseline-PSA-Wert im Alter von ca. 45 Jahren relevant. Er korreliere stark mit der Wahrscheinlichkeit, später ein signifikantes Karzinom zu entwickeln. Auch erste Ergebnisse der PROBASE-Studie deuten darauf hin, dass man dadurch vielen eine Biopsie ersparen könnte.

Nur noch gezielt verdächtige Areale biopsieren

Noch genauer könnte es in der Kombination mit einem weiteren Verfahren gehen. Für eine „riesen Errungenschaft“, um den Fühler PSA-Wert besser einordnen zu können, hält der Referent die multiparametrische MRT (mpMRT). Das Verfahren ist komplex, ermöglicht aber, die klinische Relevanz von Veränderungen im Prostatagewebe abzuschätzen. Ermittelt wird der PI-RADS-Score, wobei laut dem Experten in den Kategorien 1 und 2 ein Prostatakarzinom eher als unwahrscheinlich gelte, in den Kategorien 4 und 5 die Wahrscheinlichkeit dagegen 39 % und 72 % betrage. Somit ließen sich Männer mit hohem Risiko für einen klinisch signifikanten Tumor identifizieren und anderen eine Gewebeentnahme ersparen.

Das mpMRT biete zudem Vorteile hinsichtlich notwendiger Biopsien. Statt wie früher ungezielt systematisch Gewebe zu entnehmen, was oft mit unauffälligen, auch falsch negativen Ergebnissen einherging, könne man nun gezielt verdächtige Areale biopsieren.

Fachgesellschaft übt starke Kritik an IQWiG

Trotz dieser Vorteile sieht das IQWiG dadurch bislang keinen Zusatznutzen – ein Urteil, das bei der DGU auf deutliche Kritik stößt. Sie attestiert der Begutachtung gravierende methodische Mängel. Hauptkritikpunkt: Es wurden die falschen Endpunkte betrachtet und die Anzahl vermiedener Biopsien wird nicht als patientenrelevant gewürdigt. „Wenn Sie als Zielparameter Mortalität und Morbidität anführen, kann man sich vorstellen, dass es schwierig sein wird, für ein diagnostisches Verfahren etwas zu finden“, so Prof. Michel.

Die herangezogenen Studien hätten mit der diagnostischen Genauigkeit andere Schwerpunkte gehabt, weitere hochwertige Studien seien nicht berücksichtigt worden. Diese belegen jedoch, dass das MRT die Diagnostik auch bei Männern, die noch nicht biopsiert wurden, sowie vor Re-Biopsien präzisiere. Zudem müsste man den Tumorgrad nach der OP bis zu 27 % seltener hochstufen. Die DGU setze daher alles daran, dass das Verfahren vom G-BA anerkannt und den Patienten zugänglich gemacht wird. 

Quelle: Eröffnungspressekonferenz 73. Kongress der DGU

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