vor 2 Wochen

Udo Schenk alias Dr. Rolf Kaminski aus "In aller Freundschaft" im Interview

Interview mit Udo Schenk alias Dr. Rolf Kaminski aus
"In aller Freundschaft"

Udo Schenk lebt in Berlin, hat die Schauspielschule in Leipzig besucht und spielt seit 2007 Dr. Rolf Kaminski, einen Urologen in der Sachsen-Klinik der Erfolgsserie „In aller Freundschaft“. Das war auch der Grund, warum er von Prof. Dr. Jens Rassweiler zu sich in die Klinik eingeladen wurde.

Da er die Urologie so gut vertritt, hat Udo Schenk in diesem Jahr den Preis des Präsidenten der DGU erhalten. Im live eingespielten Dialog zwischen Arzt und Patient in der Serie bittet Dr. Kaminski um aktuelle Laborwerte
und veranlasst einen PSA-Test. Auch die Konsequenz in der Serie, dass Männer, die bereits einen Tumor hatten, besonders beobachtet und der PSA-Wert regelmäßig überprüft werden sollte, wird authentisch dargestellt. Sogar an eine Biopsie wurde gedacht.

Prof. Rassweiler:
Dr. Kaminski, wer denkt sich denn für diese Serie die Story aus? Wechselt das Team?

Dr. Kaminski – Udo Schenk:
Es gibt ein Team von Dramaturgen, die sich die sogenannten Figurenlinien für jeden Charakter ausdenken. Diese sind wichtig für die Autoren, die dann wiederum die Geschichten anhand dieser Figurenlinien schreiben. Wer speziell diese Folge geschrieben hat, könnte ich jetzt nicht sagen. Und eine gewisse Fluktuation gibt es natürlich auch.

Prof. Rassweiler:
Wie viel Urologie lernt man denn, wenn man über 10 Jahre diese Rolle des Dr. Kaminski spielt?

Dr. Kaminski – Udo Schenk:
Man lernt zumindest, dass man als Mann einen Urologen braucht! (lacht) Ich gehe jährlich zu meinem Urologen, der auch eine gewisse Hausarzt-Funktion bei mir übernommen hat. Neben einem großen Blutbild und der dazu gehörenden Auswertung wird auch immer der PSA-Wert gemessen und für den Verlauf dokumentiert. In der besagten Folge der Serie wird durch Kaminski darauf hingewiesen, daß nach einer Tumorbehandlung die
Beobachtung des PSA-Werts besonders wichtig ist.

Prof. Rassweiler:
Die transrektale Biopsie wird ebenfalls sehr realistisch dargestellt, auch wenn wir das manchmal etwas anders machen. Was mich noch interessiert: Sie haben ja einen ganzen Fuhrpark an medizinischen Geräten in der
Sachsenklinik. Gibt es da Rahmenverträge mit Firmen?

Dr. Kaminski – Udo Schenk:
Ich kann das als Schauspieler, der nicht mit diesen Angelegenheiten betraut ist, nicht wirklich beurteilen, aber ich gehe davon aus, dass es Vereinbarungen mit Herstellern von medizinischen Geräten gibt und habe auch schon erlebt, das neue Geräte zum Drehort geliefert wurden und ein Vertreter des Unternehmens dabei blieb, um uns zu beraten und natürlich darauf zu achten, daß nichts beschädigt wird. 
Wir sind ja in der Sachsenklinik offensichtlich ganz gut ausgestattet, so dass ich davon ausgehe, dass uns einige Geräte auch überlassen oder verkauft wurden, die ggf. nicht mehr dem neuesten Standard entsprechen, aber doch
noch realistisch die Situation wiedergeben.

Prof. Rassweiler:
Nun haben Sie ja auch einige Bilder von der Prostata, die Sie im eben im Abschnitt betrachtet haben, beurteilt. Wo kommen diese her?

Dr. Kaminski – Udo Schenk:
Auf dem gleichen Weg wie die medizinischen Geräte, vermute ich. Wenn ich so tue, als hätte ich von irgendwas Medizinischem eine Ahnung, dann wird parallel zu meiner „Operation“ das entsprechende Bildmaterial
eingespielt, so dass der Kameramann zwischen den Gesichtern der Schauspieler und diesem Videomaterial schwenken, bzw. schneiden kann.

Prof. Rassweiler:
Wie lernen Sie, mit den Geräten umzugehen?

Dr. Kaminski – Udo Schenk:
Ich lasse mir natürlich den Umgang mit den medizinischen Geräten zeigen, damit es möglichst authentisch wirkt. Wir haben darüber hinaus eine Original-OP-Schwester im Saal, die die Handreichungen übernimmt und auch eingreift, wenn etwas nicht richtig gemacht wird. Dazu gibt es eine fest engagierte medizinische Beratung, die zwar nicht immer vor Ort, aber erreichbar ist, kurzfristig ans Set kommen kann und die man fragen kann, wenn etwas unklar ist. Teilweise haben wir einen echten Chirurg mit im OP, der dann ebenfalls Handgriffe übernimmt oder uns anleiten kann, damit es möglichst realistisch aussieht.

Nachdem Prof. Rassweiler sich wieder seiner Arbeit zuwenden muss, übernehmen wir und stellen ein paar zusätzliche Fragen.

Christiane Haase:
Wie ist denn die Gewichtung Ihrer Arbeit, wenn man die Schauspielerei, das Theater spielen sowie Synchronsprechen miteinander vergleicht?

Udo Schenk:
Theater spielen und und vor der Kamera stehen, lässt sich vom zeitlichen und physischen Aufwand schwer vereinbaren. Ich hatte keine Freiräume mehr. Nachdem ich die DDR verlassen hatte, habe ich noch eine gewisse
Zeit am Kölner Schauspielhaus und in West-Berlin Theater gespielt. Zum Glück wurden aber die Dreharbeiten immer mehr, nachdem man festgestellt hat, dass ich das kann, was ich behaupte hatte zu können. Ich habe mich
dann für die Arbeit vor der Kamera entschieden. Die Arbeit im Theater kostet viel Kraft, aber Dreharbeiten genauso, nur auf eine völlig andere Art und Weise. So ein Drehtag dauert in der Regel zwischen 10 und 12
Stunden. Wenn man in einem Film eine Hauptrolle spielt und vier , fünf Wochen dreht, muß man seine Kräfte gut einteilen.

Christiane Haase:
Sie sagten, Sie fahren jetzt wieder zu Dreharbeiten nach Leipzig. Wie lange dauert es, bis eine Folge „In aller Freundschaft“ im Kasten ist?

Udo Schenk:
Eine Folge wird in einer Woche produziert. Ich habe 40 Drehtage im Jahr, bin also zwischen zwei und fünf Tagen im Monat als Dr. Kaminski unterwegs und habe so die Zeit für andere Filmproduktionen, Hörspiele, Lesungen
und Synchronisationen. Dazu muss man sagen, dass das Drehpensum bei einer Serie ganz anders ist als bei einem Kinofilm beispielsweise. Bei einem Drehtag für einen Kinofilm werden 2-4 Minuten geschafft. Ein Kinofilm hat
durchschnittlich 120 Min. Dann kann man sich vorstellen, wie lange die Dreharbeiten dazu dauern. Danach kommt dann die so genannte Postproduction, wie Ton, Schnitt und Lichtbestimmung. 

Bei einem Fernsehspiel dreht man am Tag zwischen 4-8 Minuten. Bei einer Serie wie „In aller Freundschaft“ drehen wir zwischen 8-13 Minuten. 13 Minuten sind extrem viel, dadurch bleibt leider einiges auf der Strecke und
jeder muss sich deshalb sehr gut vorbereiten.

Am Theater ist das völlig anderes. Von der ersten bis zur letzten Probe an einem Theaterstück vergehen in der Rege zwei Monate chronologischer Arbeit und dann erlebt man eine hoffentlich erfolgreiche Premiere.
Dreharbeiten für Film und Fernsehen verlaufen aus vielerlei Gründen nie chronologisch. Das bedeutet für den Schauspieler, daß er genau wissen muß, welchen dramaturgischen Bogen seine Figur im Laufe der Geschichte
nehmen soll.

Christiane Haase:
Welche Rolle nimmt das Synchronsprechen bei Ihnen ein?

Udo Schenk:
Ich habe in den 80er und 90er Jahren viel synchronisiert. Synchronisieren ist schauspielerische Arbeit mit eingeschränkten Möglichkeiten. Man steht vor einem Mikrophon, darf sich kaum bewegen, muß versuchen etwas nach zu empfinden, was ein anderer Schauspieler kreiert hat und trotzdem authentisch und glaubhaft sein.

Jetzt synchronisiere ich nur noch die Schauspieler, die ich in den letzten 30 Jahren immer wieder synchronisiert habe , wie Kavon Bacon, Ray Liotta, Ralph Fiennes und Garry Oldman, der ja vor zwei Jahren einen Oscar® für
den Film „Die dunkelste Stunde“ als Winston Churchill bekommen hat. Er hat meine Größe, meine Statur und wir sind auch im ungefähr selben Alter. Ich glaube, dass er täglich bestimmt fünf Stunden in der Maske saß, so
verändert, wie er in diesem Film aussah. Seine schauspielerische Leistung war natürlich ein Gedicht. Ich weiß noch, dass ich damals dachte: „Wenn er dafür nicht den Oscar® bekommt, verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Ralph Fiennes wird von mir seit 1993 synchronisiert. Damals wurde die Berlinale mit dem Film „Der englische Patient“ eröffnet. Den meisten jüngeren Menschen ist er bekannt als Lord Voldemort aus Harry Potter oder jetzt auch als Mr. M aus James Bond. Ich habe ganz viele großartige Filme mit ihm gemacht, die keine Blockbuster-Filme wurden. Das ist bei Gary Oldman ähnlich. Ein Blockbuster von Gary Oldman war jedoch „Das fünfte
Element“. Dort spielt er eine düstere, dunkle Gestalt, wie ich sie in der Vergangenheit auch oft gespielt habe.

Seitdem ich Dr. Kaminski bin, werde ich selten für solche Rollen angefragt. Das ist der Fluch einer Serie, hat aber sicher auch etwas mit dem Alter zu tun.

Christiane Haase:
Herzlichen Dank für das angenehme Gespräch.

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